Buddhismus : Heilslehre für Gesunde ?

Der Buddha verglich seine Lehre mit einer „edlen Arznei, die alles Leid und  alles Böse“ hinaustreibt.  Was sind jedoch die Voraussetzungen, um diese „Arznei“ anwenden zu können? Dazu heißt es im Anguttara-Nikaya des buddhistischen Pali-Kanons (zit. nach Helmuth von Glasenapp, Pfad zur Erleuchtung):

“ Nur für den Bescheidenen eignet sich diese Lehre, nicht für den Unbescheidenen, der seine Vorzüge zeigen will.

Nur  für den Genügsamen eignet sich diese Lehre, nicht für den Ungenügsamen (der mit Almosen usw. nicht zufrieden ist).

Nur für den Einsamen eignet sich diese Lehre, nicht für den, der an der Geselligkeit seine Freude hat.

Nur für den Willensstarken eignet sich diese Lehre, nicht für den Schwachen.

Nur für den geistig Wachen eignet sich diese Lhre, nicht für den unbedacht Dahinlebenden.

Nur für den, der sich (in der Meditation) zu vertiefen weiß, eignet sich diese Lehre, nicht für den, der sich nicht sammeln kann.

Nur für den Weisen eignet sich diese Lehre, nicht für den Toren, der über das Entstehen und Vergehen aller Erscheinungen nicht nachdenkt.

Nur für den, der die Welt überwinden will, eignet sich diese Lehre, nicht für den, der sich dem Weltlichen hingibt.“   

Ich frage mich nun: Wer erfüllt alle diese genannten Bedingungen? Muß nicht der, welcher die „die edle Arznei“ nimmt,  schon fast gesund sein – also: ist nicht der Buddhismus eine Heilslehre für Gesunde?  Jedenfalls habe ich nach meinen Erfahrungen in buddhistischen Kreisen den Eindruck, dass nur wenige von denen, die sich dort „Buddhisten“ nennen, den obigen Anforderungen genügen, also demnach für die Lehre des Buddha geeignet sind. Ist es der Dalai Lama, wenn er in der Welt herumreist, einen Vortrag nach dem anderen hält und als politischer Vertreter Tibets von einer Konferenz zu anderen eilt? Es sind wohl eher die Stillen und Zurückgezogenen, die nicht als buddhistische „Lehrer“  im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und auch in buddhistischen Kreisen mehr oder weniger  unbekannt sind, von denen man annehmen darf, dass sie dem Geist der buddhistischen Lehre nahe stehen.

Wenn wenn man wirklich die obigen Maßstäbe anlegen würde, so gäbe es wohl nur sehr wenige Buddhisten und der Buddhismus wäre keine Weltreligion. Der Buddha war jedoch Realist und schätzte die Fähigkeiten der Menschen zutreffend ein.  Seine Heilslehre musste, damit sie überhaupt für die Menschen annehmbar wird, Zwischenstufen enthalten.  Wie das folgende Gleichnis (ebenfalls aus dem Aguttara-Nikaya) zeigt, ist das der Fall:

“ Das große Meer senkt sich stufenweise, fällt aber nicht plötzlich steil ab. So gibt es auch in dieser Lehre … eine stufenweise Belehrung, eine stufenweise praktische Anwendung, ein stufenweises Vorwärtsschreiten, und nicht ein plötzliches Gewinnen der Erkenntnis.“  

Obwohl sich Arthur Schopenhauer zum Buddhismus bekannte, weicht seine Philosophie  in diesem Punkt erheblich von der buddhistischen Lehre ab. Nach Schopenhauer kann es einen plötzlichen Durchbruch der Erkenntnis geben. Da dieser Durchbruch nicht Folge von Übungen ist, sondern sich gleichsam wie eine Gnade ergibt, ist  – wie Schopenhauer in seiner Philosophie begründet – die Erlösung vom Leid auch für die Schwachen möglich.  Vielleicht ist das Grund, weshalb Jüngere sich mehr dem Buddhismus zuwenden, Ältere und Kranke hingegen, denen Übungen kaum möglich sind, wohl eher bei Schopenhauer Trost finden können.
hb

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14 Kommentare

  1. ananda said,

    August 1, 2009 um 7:18 am

    Vielleicht sind die strengen Bedingungen, um für die buddhistische Lehre geeignet zu sein, dadurch zu erklären, dass der Buddhismus dem altindischen Asketentum entstammt. Der „mittlere Weg“ des Buddhismus verlangt zwar nicht die strenge Askese wie etwa der Jainismus, aber dennoch ist dieser Weg nicht einfach. Die vielen, sich „buddhistisch“ nennenden Seminare und Veranstaltungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Buddhismus ziemlich hohe Anforderungen stellt. Manche dieser Veranstaltungen, die inzwischen auch von Krankenkassen und Kirchen angeboten werden, haben mehr allgemeinen psychotherapeutischen Charakter, ja nicht wenige von ihnen würde ich dem „Wellness-Bereich“ zuordnen. Mit Buddhismus, wie ihn der Buddha lehrte, hat das meiner Meinung nach dann wenig zu tun, eher sehe ich da eine Nähe zum Dalai Lama.

    • arthur1788 said,

      August 1, 2009 um 7:30 am

      Ich sehe das ähnlich. Deshalb kann ich leider auch den letzten Sätzen Deines Kommentars nicht widersprechen.

  2. Gunter Gutzeit said,

    August 2, 2009 um 10:19 am

    „Muß nicht der, welcher die “die edle Arznei” nimmt, schon fast gesund sein – also: ist nicht der Buddhismus eine Heilslehre für Gesunde?“

    Das Gegenteil ist der Fall. Man muss schon ziemlich neurotisch sein, um für die buddistischen Lehren überhaupt empfänglich zu werden.

    Wenn jene, die sich Buddhisten nennen, den Maßstäben nicht entsprechen, hat das wohl mit Verwirrung zu tun, und eher damit, dass jene noch der „edlen Arznei“ und der „stufenweisen Belehrung“ bedürfen, oder das bewußt unlautere Absichten verfolgt werden. Man sollte an dieser Stelle meines Erachtens Mitgefühl entwickeln, denn einen moralischen Regorismus.

    Der Katalog des Anguttara-Nikaya des buddhistischen Pali-Kanons setzt vielleicht eine Erkenntnis, eine Beziehung zur eigenen Neurose, eine möglicherweise bereits vollzogene Entwicklung voraus, die man bei jemanden, der sich entschließt den Weg zu gehen, nicht oder nicht in allen Punkten voraussetzen darf. Der Glaube an ein plötzliches Gewinnen der Erkenntnis ist meines Erachtens ohnehin Illusion und sollte uns mißtrauisch machen, denn sie findet so einfach tatsächlich nicht statt. Erkenntnis ist meines Erachtens eher die bewußte Verknüpfung von unbewußten Dingen, die wir bereits länger in (oder vor) uns tragen. Soetwas kann sehr lange dauern.

    Das Problem, das ich habe, ist die Blindheit unserer „Kultur“, unsere westliche Ignoranz für das Problem der grundlegenden Unwissenheit, der grundlegenden Krankheit, der grundlegenden Angst, das meines Erachtens nur der Buddismus in angemesser Weise problematisiert.

    Aber wo sind die vertrauenswürdigen Lehrer einer stufenweisen praktische Anwendung, eines stufenweisen Vorwärtsschreitens mit den Erfahrungen, die weiterhelfen könnten?

    • arthur1788 said,

      August 3, 2009 um 7:54 am

      „Wo sind die vertrauenswürdigen Lehrer….?“ Nach meinen Erfahrungen, die ich im Laufe vieler Jahre in buddhistischen Organisationen gesammelt habe, finde ich diese Frage sehr berechtigt. Ich glaube, auch hier ist es wichtig, wie in der buddhistischen Lehre überhaupt, eigene Erfahrungen zu machen und dabei bereit zu sein, auch Enttäuschungen hinzunehmen. Ein Lehrer, der Vertrauen verdient, darf meiner Meinung nach nicht zu viel versprechen, was leider oft genug der Fall ist. Er sollte sich die unbedingt notwendige Zeit nehmen, um seinen potentiellen Schüler vorher genauer kennen zu lernen. Nur dann ist es ihm möglich zu beurteilen, ob und auf welche Weise er diesen in der praktischen Anwendung unterrichten kann. Schon hieraus wird deutlich, dass der Unterricht im wesentlichen individuell sein müßte. Viele der „spirituellen“ Lehrer reisen herum und bieten in aller Welt Massenseminare an, haben also kaum Zeit für den Schüler. So hatte ich manchmal den Eindruck, dass diese Vertreter des Dhamma mehr vom, als für den Dhamma leben. Jedenfalls muss man schon ziemlich viel Glück haben, um einen Dhamma-Lehrer zu finden, der einem wirklich dauerhaft weiterhelfen kann. Mich hat auf Dauer leider niemand von ihnen wirklich ganz überzeugen können. So kam ich schließlich vor mehr als 30 Jahren zu Schopenhauer, dessen Lebensphilosophie mir sehr geholfen hat und die mir, wie ich hoffe, auch weiterhin helfen wird.

      • Gunter Gutzeit said,

        August 3, 2009 um 3:36 pm

        Etwas Ähnliches ist mir vor etwa 20 Jahren beim Lesen der Schriften von Chögyam Trungpa – auf die ich zufällig gestoßen war – passiert. Die Einfachheit und Direktheit wie er den Dharma gelehrt hat ist m.E. einmalig. Und versprochen hat er wirklich nichts.

        Meine Erfahrungen mit buddistischen Organsationen waren daraufhin ebenfalls ernüchternd. Und dennoch ist die Tragödie des tibetischen Volkes zugleich ein Glücksfall für den Westen, denn nur so konnten diese Lehren hier in dieser Unmittelbarkeit bekannt werden. Ob sich hieraus ein eigener westlicher Buddhismus entwickelt, vermag ich nicht abzuschätzen.

        Ohne die Begegnung mit diesem Lehrer – wenn auch nur in Buchform – wäre mein Leben sicherlich um einiges ärmer verlaufen und ich hätte wohl nicht den Mut gefunden, mein Leben so zu gestalten, wie ich es bis hierhin leben durfte. Es ist sehr wichtig, das „Entstehen und Vergehen der Erscheinungen“ zu erkennen, um damit umgehen zu können. Ohne einen spirituellen Lehrer schafft man das nicht.

        Und dennoch, wenn man die Essenz des Leben nur in Büchern findet und der Rolle des Beobachters verhaftet bleibt, ist es sehr schwer, wirkliches Mitgefühl zu entwickeln und zu praktizieren, ohne dass es keinen weiteren Fortschritt gibt und es bleibt ein Gefühl der Unvollendetheit, irgendwie ein schaler Nachgeschmack.

      • arthur1788 said,

        August 4, 2009 um 7:02 am

        Das für Übungen im tibetischen, d. h. tantrischen Buddhismus Lehrer erforderlich sind, kann ich verstehen, denn gerade diese Form des Buddhismus enthält magische Praktiken. Ob das auch im Hinblick auf Chögyam Trungpa der Fall ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Der ursprüngliche Buddhismus, wie ihn der Buddha lehrte, betonte immer wieder, dass es auf die eigene Erkenntnis ankomme. Ein Lehrer kann aber dabei hilfreich sein. Der Buddha hatte zwar viele Lehrer, aber sie alle reichten nicht aus. Zur Erleuchung kam er allein. „Habt euch selbst als Leuchte…“, „Richtet euch nicht nach den Worten eines verehrten Meisters – sondern was ihr selbst als gut oder schlecht erkannt habt, das nehmt an oder gebt auf…“- solche Buddha-Worte zeigen, worauf es hier ankommt, nämlich Selbsterkenntnis.

        Um Mitgefühl zu empfinden, muss man zunächst das Leid des anderen Wesens zur Kenntnis nehmen. Man hat also zunächst die Rolle des Beobachters. Ob und inwieweit das Mitgefühl, sofern überhaupt vorhanden, zu Reaktionen führt, hängt jeweils von dem weitgehend angeborenen Charakter ab. Ich glaube nicht, dass man Mitgefühl wie eine Technik lernen kann. Wenn dem so wäre, müssten zum Beispiel alle „gelernten“ Buddhisten, insbesondere ihre Lehrer, im Hinblick auf das furchtbare Tierleid Veganer sein. Das ist nur ausnahmsweise der Fall, ja zumeist sind sie nicht einmal Vegetarier. Um es deutlich zu sagen: Ein spiritueller Lehrer, der nicht vegan lebt, kann mich, der ich selbst aus ethischen Gründen Veganer bin, nicht überzeugend lehren, Mitgefühl zu entwickeln und zu praktizieren.

        Mitgefühl baut die Grenzen zwischen dem „Ich“ und dem „Du“ ab. Wenn es jedoch als bloßes Mittel zur eigenen Erlösung verstanden wird , bleibt es im Bereich des Egoismus, und in mir bleibt „irgendwie ein schaler Nachgeschmack“.

      • Gunter Gutzeit said,

        August 10, 2009 um 2:51 am

        Ja, unser diskursive Denken ist ein Hindernis, das es zu überwinden gilt, worauf auch Chögyam Trungpa hingewiesen hat.

        Ich habe vor 20 Jahren, als es mir psychisch nicht besonders gut ging, in einem Buchladen, in dem ich sonst nie eingekauft habe auf einem Wühltisch als Remitentenexemplar das Buch „Das Märchen von der Freiheit“ von Chögyam Trungpa gefunden, gleichsam wie ein Edelstein in einem Misthaufen. Beim Lesen dieses Buches dachte ich, wie kann ein Mensch, so etwas Geniales denken und lehren? Hier spiegelt sich genau mein (unser westlicher) Geisteszustand wieder, einfach brilliant beschrieben – ja, so ist es. Ich habe dann von ihm gelesen, was ich in die Finger kriegen konnte. Besonders beeindruckt bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was ist das für ein Mensch, hat mich natürlich dann auch sein autobiographisches Buch „Born in Tibet“, in dem er seine Kindheitserlebnisse in einem tibetischen Kloster, seine Trennung von den Eltern im Alter von 3 Jahren, seine Ausbildung, seine Annnahme einer völlig anderen Identität [als Wiedergeburt des elften Trungpa-Tulku] und schließlich seine Flucht aus Tibet schildert. Vor einer Kultur, die einen solchen Menschen hervorbingt, muss man die größte Hochachtung haben. Aber meine Umwelt verstand das nicht. Es wurde mir klar, es gehört immer ein besonderer Leidensdruck dazu und ein spezielles Gewahrwerden des eigenen Leidens (wie auch beim historischen Buddha oder anderen tibetischen Heiligen der Vergangenheit) um „empfänglich“ zu werden, für diese Art Lehren und es gehört immer eine besondere Situation dazu, um „Verständnis“ zu entwickeln. Der Buddhismus ist eindeutig eine Heilslehre für „Kranke“.

        Wenn ich jetzt das Internet auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage „wer war Chögyam Trungpa – vertrauenswürdig oder nicht“ durchforsche, so scheinen mir die negativen Wertungen vorherrschend. “Richtet euch nicht nach den Worten eines verehrten Meisters – sondern was ihr selbst als gut oder schlecht erkannt habt, das nehmt an oder gebt auf…” An diesem Punkt sind wir alle auf uns selbst gestellt und einsam. Für mich steht fest, was er öffentlich gelehrt hat, ist reinster Buddhismus, selbst dann, wenn seine nicht öffentlichen Lehren und seine Verhaltensweisen diesen Ansprüchen – insbesondere in seiner letzten Lebensphase – nicht gerecht geworden sein sollten. Ich fürchte am Vajrayana kann man sich eben auch die Finger verbrennen.

        Bhutan öffnet sich der „modernen“ Welt. Ja, das ist mir auch negativ an diesem Filmbericht aufgefallen. Diese Ausführungen zum Thema „Glück“ waren unbuddhistisch, das war Anpassung an den westlichen Lifestyle. Auch das Interview mit dem elfjährigen Tulku war m.E. von dem ängstlichen Besteben geleitet, beim westlichen Fernsehpublikum ja keine negative Vorstellungen entstehen zu lassen, vielleicht weil man sich fürchtet vor Mißverständnissen und im Lande allgemein von westlichen Lebensmittellieferungen abhängig glaubt. Und was die Rotchinesen in Tibet angerichet haben, ist wohl vielfach nicht wieder gut zu machen und großenteils unwiederbringlich für die Menschheit verloren.

        Der tantrische Buddhismus (als Mischform aus Tantrismus und Buddhismus) wird aber nicht untergehen, im Gegenteil: China wird mit seiner inakzeptablen Minderheitenpolitik langfristig scheitern. Dies wird für Tibet zu einer gewissen kulturellen Autonomie führen. Der tantrische Buddhismus wird im Himalaya in veränderter Form weiter existieren. Im Westen wird der tantrische Buddhismus wohl ebenfalls in gewandelter Form Wurzeln schlagen. Er wird auch die westlichen Religionen, die im Augenblick in einer tiefen Kriese stecken, positiv beeinflussen. Depressionen entwickeln sich mittlerweile im Westen zu einer echten Volkskrankheit. Das schreit geradezu nach veränderten Sichtweisen, neuen Einstellungen und kreativen Lösungsmöglichkeiten. Der Tantrismus enthält ein noch um ein vielfach älteres Menschheitswissen für den Umgang mit dem zentralen Menschheitsproblem, dem Umgang mit der menschlichen (Todes-)Angst und der Überschreitung der hierdurch hervorgerufenen menschlichen Grenzen.

        Ich danke Dir für Dein aufrichtiges Mitgefühl. Ich beglückwünsche Dich zu Deinem hervorragenden Block. Ein großer Geist wie Schopenhauer, ist sicherlich all der großen Mühen und der vielen Arbeit wert, die Du da in dieses Projekt hineingesteckt hast.

      • arthur1788 said,

        August 12, 2009 um 10:18 am

        Deine Befürchtung, dass man sich am Vajrayana „auch die Finger verbrennen“ könne, teile ich. Manche tantristische Übungen haben sehr wahrscheinlich ihre Wurzeln in uralten archaischen schamanistischen Praktiken. Diese waren für nicht Eingeweihte höchst gefährlich! Das gilt teilweise auch für den tibetischen „Buddhismus“, denn dieser hat nicht nur weitgehend den indischen Tantrismus übernommen, sondern wurde auch von der vorbuddhistischen, schamanistischen Bon-Religion erheblich beeinflusst. Ich finde es deshalb zum Beispiel gut, dass der Dalai Lama auch auf Gefahren hinwies. So äußerte er sich dazu in einer Schrift („aus Tushita“ Nr. 1): „… Darum legte Vajrayana immer großen Wert darauf, dass Tantra (wie Schamanismus!) eine geheime Lehre bliebe. Warum? Das Tantra lehrt gewisse Methoden und Wege, die in den Händen eines Menschen ohne den Rückhalt von Bodhicitta und anderen notwendigen Eigenschaften sehr gefährlich sein können und ihm nur Unglück bringen…“

        Ob man wirklich durch solche nicht ungefährlichen Praktiken seinen Egoismus, Haß, Gier und Verblendung weitgehend überwinden und so ein „besserer“ Mensch werden kann, scheint mir zweifelhaft. Ich konnte dazu einige Erfahrungen sammeln, denn ich habe längere Zeit ehrenamtlich in einer bedeutenden buddhistischen Institution mitgearbeitet und war auch im Vorstand einer größeren buddhistischen Vereinigung. Es war für mich sehr aufschlussreich zu beobachten, wie sich einige „buddhistische“ Lehrer, mitunter sogar Mönche, um ihr Honorar bemüht hatten.

        Ich freue mich natürlich, dass mein Blog Deine Anerkennung gefunden hat. Schopenhauers Philosophie hat mir auch einen neuen Zugang zum Buddhismus, insbesondere zum Mahayana, eröffnet. Damit meine ich vor allem die „Anatta“-Lehre. Jedenfalls sind diese zutiefst spirituellen Lehren für mich Lebenshilfe. Ich verstehe deshalb gut, wenn Dir, wie ich annehme, der tibetische Buddhismus eine solche Lebenshilfe zu bieten vermag.

        Weiteres zu Schopenhauer und Buddhismus:
        > http://www.schopenhauer-buddhismus.de
        > http://www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de

  3. Gunter Gutzeit said,

    August 5, 2009 um 11:01 pm

    “Richtet euch nicht nach den Worten eines verehrten Meisters – sondern was ihr selbst als gut oder schlecht erkannt habt, das nehmt an oder gebt auf…” Ein buddhistischer Lehrer, der diesen Namen verdient, würde nie von seinem Schüler verlangen, seinen Verstand außer Betrieb zu setzen und irgedetwas (von ihm oder sonst jemanden) „glauben“ zu müssen. Die buddhistische Frage, wie ich sie verstehe, ist eher die Frage, wie ich mich mit dem eigenen Leiden (wobei das Leiden viel subtiler und tiefgründiger zu sehen ist, als in einem westlichen, bloß körperlichen, christlichen Sinne) in Beziehung setze, und den Kreislauf des Leidens idealer Weise – wenn möglich – noch in dieser Existens beende.

    „Wenn dem so wäre, müssten zum Beispiel alle “gelernten” Buddhisten, insbesondere ihre Lehrer, im Hinblick auf das furchtbare Tierleid Veganer sein.“ Du hast Recht, die Einstellung und der Umgang der westlichen Menschen mit den Tieren, ist mitleidslos, verantwortungslos und verbrecherisch, nicht nur im Bereich der besonders perversen industriellen Massentierhaltung. Ich bewundere Menschen, die wie Du hieraus die Konsequenzen ziehen und aus Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen ein vegetarisches Leben führen. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass in anderen asiatische Kulturen die Sichtweise in Bezug auf die innere und äußere Welt und die Tiere – als fühlende Wesen – grundsätzliche eine andere ist, als bei uns.

    Ich habe heute Abend im 3 Sat, 21:00 Uhr den Dokumentarfilm über Bhutan – dem einzigen Land auf der Welt, in dem der tibetische Buddhismus noch Staatsreligion ist – gesehen. Ein nach westlichen Maßstäben wirtschaftlich sehr, sehr armes Land, ein nach westlichen Maßstäben spirituell sehr, sehr reiches Land. Der buddhistische Weg, hier in der tantrischen Ausprägung, verlangt äußerste Disziplin und ist verdammt hart, nichts für westliche Weicheier. Das Streben der Menschen dort nach einem Leben im Einklang mit der eigenen inneren und äußeren Natur hat meinen hohen Respekt.

    „Mitgefühl baut die Grenzen zwischen dem “Ich” und dem “Du” ab. Wenn es jedoch als bloßes Mittel zur eigenen Erlösung verstanden wird, bleibt es im Bereich des Egoismus, und in mir bleibt “irgendwie ein schaler Nachgeschmack”.“ Vielleicht haben die Buddhisten Recht und die Grenze zwischen ich und du ist bloße Illusion und die Überwindung der dualistischen Schranke in unserem Bewußtsein ist die Erleuchtung. Es gibt asiatische Sprachen, da gibt es nicht einmal ein Wort für das „Ich“. Ja, in der Tat ich glaube, der Egoismus ist eine Form der Leidens, mit dem wir uns selber, der Umwelt, den Tieren und anderen Menschen großen Schaden zu fügen. Ich gebe Dir Recht, dass praktiziertes Mitgefühl als Mittel zum Zweck [womöglich zur eigenen Erleuchtung oder um in den Himmel zu kommen], Quasi als Bestätigung, das eigene Ego aufblähend, in jedem Falle verwerflich ist.

    • arthur1788 said,

      August 9, 2009 um 8:01 am

      In den fortgeschritteneren buddhistischen Übungen geht es m. W. auch darum, das diskursive, also begriffliche Denken zu überwinden. Hierzu möchte ich auf die in den altbuddhistischen Texten immer wieder beschriebenen acht Versenkungsstufen (Jhana) hinweisen. Bereits in der zweiten „Vertiefung“ fällt (laut Nyanatiloka) das „diskursive“ Denken fort. Wer das mit einem Lehrer übt, muss meiner Meinung diesem zwar nicht „Glauben“ im christlichen Sinne, aber doch ziemlich großes Vertrauen entgegenbringen.

      Ich stimme Dir zu, dass im Buddhismus das „Leiden“ viel subtiler als im normalen westlichen (christlichen) Sinne verstanden wird. Das Leid ist allumfassend und Kennzeichen unserer Welt. Es zu überwinden, ist das zentrale Anliegen der buddhistischen Lehre, wobei sie – völlig anders als bei den drei großen, aus Vorderasien stammenden monotheistischen Religionen – grundsätzlich alles Leben mit einbezieht.

      Bhutan ist auch nach meiner Meinung ein besonders interessantes Land. Nachdem die tantrisch-buddhistisch geprägte Kultur in Tibet in absehbarer Zeit wahrscheinlich vernichtet sein wird, dürfte sie wohl nur noch in Bhutan eine Chance haben, wenigstens in begrenztem Maße weiter zu bestehen. Aber auch das ist keineswegs sicher, denn dieses bisher weitgehend verschlossene Land öffnet sich zunehmend der modernen Welt. Das kann ich zum Beispiel jedes Jahr feststellen, wenn ich mich auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin am „Bhutan-Stand“ über dieses Land etwas näher informiere. Im übrigen kann ich Dir dazu ein sehr lesenswertes Taschenbuch empfehlen: Jamie Zeppa: „Mein Leben in Bhutan. Als Frau im Land der Götter“. Die Verfasserin arbeitete mehrere Jahre als Lehrerin in Bhutan und ist auch mit einem Bhutaner verheiratet. Ihren Bericht über dieses faszinierende Land finde ich sehr aufschlussreich, in einigen Aspekten aber auch – wie kann es anders sein!- ernüchternd.

      Wirklich enttäuscht kann aber nur der sein, der sich zu viel Illusionen macht. Das gilt für Bhutan, buddhistische Lehrer und für alles andere in unserer Welt. Vorsicht oder -mehr buddhistisch gesprochen – Achtsamkeit kann da sehr hilfreich sein.

  4. Roman said,

    August 13, 2009 um 10:09 am

    Hallo Arthur1788,

    ich habe ein Problem: ich blicke in einem Punkt den Buddhismus, die Upanishaden und Schopenhauer betreffend nicht ganz durch. Da du dich soeben auf die „Anatta“ Lehre bezogen hast, möchte ich dich bitten mir hier vielleicht auf die Sprünge zu helfen und mir Klarheit zu verschaffen.

    Folgendes: Es bereitet mir große Schwierigkeiten das Selbst und Nicht-Selbst zu unterscheiden und glaube auch Schopenhauer hatte diese Problem wenn ich mich nicht irre, was ja leicht möglich wäre.

    Ich verstehe den Atman wie er in den Upanishaden steht als die „Objektivation des einen Willens“. Atman ist für mich Brahman („ayam atma brahman“ oder auch „aham brahman asmi“). Und Brahman ist somit um mit Schopenhauer zu sprechen der „Wille“. Also ergibt sich für mich: alles ist eins (Wille, Brahman) und ich erkenne mich in jedem Lebewesen wieder, die Welt ist mein Wille und ich sehe mich selbst somit als „Wille“ (Brahman), der sich durch Raum und Zeit zerrissen, gefangen im „principium individuationis“ als „Objektivationen des Willens“ (somit: Atman) selbst betrachtet.

    Ich habe dir hier meine Gedanken jetzt einfach so niedergeschrieben und möchte mich schon einmal dafür entschuldigen, wenn das jetzt vielleicht etwas verwirrend ist. Aber dieser Punkt beschäftigt mich schon länger und hierbei führt leider auch meine Meditation darüber immer in eine Sackgasse wenn ich diese Einflüsse (Buddhismus, Upanishaden und „Welt als Wille und Vorstellung) kombiniere.

    Ich habe mich in der Vergangenheit viel mit Schopenhauer den Upanishaden und Buddha beschäftigt. Wie hat Schopenhauer das „Selbst“ verstanden? Kann man Schopenhauer als Buddhisten bezeichnen, wenn er genau in diesem Punkt, der „anatta“ Lehre scheinbar nicht mit Buddha übereinstimmte und an den hinduistischen Atman geglaubt hat, er hat schließlich sogar seine Pudel immer „Atman“ genannt. Aber die Lehre Buddhas wird auch als die Lehre über das „Nicht selbst“ bzw. Anatman genannt und in diesem Punkt unterscheiden sich die Veden mit ihren Upanishaden und der Buddhismus eigentlich grundlegend.

    Vielleicht habe ich aber auch nur einen Punkt übersehen. Vielleicht kannst du mir hier weiterhelfen? Ist Schopenhauers Philosophie wirklich mehr buddhistisch als hinduistisch oder eigentlich eine Kombination von beidem, so wie auch meine Denkensweise eine ist?

    Danke im Voraus für deine Bemühungen!

    Liebe Grüße

    Roman

    • arthur1788 said,

      August 13, 2009 um 3:42 pm

      Hallo Roman,

      die „Anatta“-Lehre gehört wohl zum wichtigsten, aber auch zu dem am schwersten zu verstehenden Teil des Buddhismus. Vielleicht hilft da ein, Dir wahrscheinlich schon bekanntes Gleichnis des Buddha:
      “ Der Erhabene nahm ein Klümpchen Kuhmist in die Hand und sagte: ´Wenn es auch nur so wenig Selbsthaftigkeit gäbe, die unveränderlich, beständig, ewig, unveränderlich wäre und ewiglich so bliebe, so würde die Führung eines heiligen Wandels für die Vernichtung des Leidens nicht möglich sein. Weil es dies aber nicht gibt, ist die Führung des heiligen Wandels möglich.`“ (Samyutta-Nikaya 22,96,16; Zit. n. H. von Glasenapp).

      Somit gibt es laut dieser Aussage des Buddha keine ewig bestehende, unveränderliche Selbsthaftigkeit. Bei anderer Gelegenheit betonte der Buddha, dass „alle ´Dinge` (dharma) ohne Selbst“ seien. Alles sei nur aus vergänglichen Daseinsfaktoren (dharma) zusammengesetzt.

      Der alte Buddhismus war keine Vielheitslehre (wie etwa der ihm verwandte, ältere Jainismus), aber auch noch keine Einheitslehre, denn: „´alles ist eine Einheit`, so lehrt eine Weltweisheit, ´alles ist eine Vielheit von je für sich bestehende einzelne Substanzen`, so lehrt eine andere. Diese beiden Enden vermeidend, verkündet der Vollendete in der Mitte die wahre Lehre.“ (Samy.-Nik. 12,48; Zit. n. H. v. Glasenapp)

      Dennoch entwickelte sich der Buddhismus, vor allem durch Nagarjuna, aus der Erkenntnis, dass alle Dharmas „anatta“ und somit letztlich „leer“ seien, später zur Einheitslehre. So ist der Mahayana-Buddhismus, insbesondere die Schule des Yogachara, monistisch. Übrigens, aus der Schule des Yogarachara in Verbindung mit dem philosophischen Taoismus, entstand ZEN.

      Arthur Schopenhauer lernte den Buddhismus zunächst in seiner Mahayana-Richtung kennen, also als Einheitslehre. So konnte er darin eine Übereinstimmung mit seiner monistischen Philosophie erkennen.
      Aber auch mit dem alten Buddhismus sehe ich eine Übereinstimmung:
      „Karma“, so der Buddha, bedeutet auch „Wille“. Wenn es kein „Selbst“ als Träger dieses Willens gibt, dann, so meine ich, muss dieser Wille überindividuell sein; womit wir in der Nähe von Schopenhauers Willenslehre sind.

      „Tat Tvam Asi“, „Das bist du“ – war für Schopenhauer die wichtigste Erkenntnis der Upanishaden. Das Absolute, Brahman, ist mit dir (Atman) wesensgleich, ja identisch. Aus Brahmans „Wille“ entstand die Vielheit dieser Welt (s. b.dazu mein Eintrag zum Rigveda in diesem Blog). Dennoch bleibt die Vielheit eine Einheit (Brahman).

      Die Upanishaden waren ursprunglich keine Einheitslehre, aber sie entwickelten sich – wie der Buddhismus – zu einer solchen. Insofern gibt es zwischen den Upanishaden und dem Mahayana, aber auch mit Schopenhauer (!) eine wesentliche Übereinstimmung. Trotz aller erstaunlichen Übereinstimmungen halte ich Schopenhauers Philosophie für eine Lehre, die zwar den Upanishaden und dem Mahayana-Buddhismus sehr nahe steht, aber dennoch durchaus eigenständig ist. Sie ist deshalb meiner Meinung nach weit mehr als eine bloße Kombination von Hinduismus und Buddhismus.

      Hierbei ist ferner zu berücksichtigen: Der Buddhismus ist in zahlreiche Richtungen mit unterschiedlichen Lehren aufgespalten. Die Upanishaden enthalten ebenfalls sich sehr voneinander unterscheidende, zum Teil sogar einander widersprechende Auffassungen – und zwar je nachdem, wann sie entstanden sind. Das Maß an Übereinstimmung hängt also davon ab, welche Teile des Buddhismus und der Upnishaden miteinander verglichen werden. Hinzu kommen noch die sehr unterschiedlichen Interpretationen der jeweiligen Übersetzer. Schopenhauers Philosophie hingegen ist „aus einem Guss“, und – ein sehr erheblicher Vorzug – wir brauchen für sie, wenn Deutsch unsere Muttersprache ist, keine Übersetzung.

      Nun darf ich noch etwas Persönliches hinzufügen: Mein Weg führte im Laufe von Jahrzehnten über den Jainismus, Pali- und Mahayana-Buddhismus schließlich zu Schopenhauer. Bei Schopenhauer und später auch in den Upanishaden fand ich Antworten auf Fragen, bei denen ich im alten Buddhismus nicht weiter kam. Vielleicht lag das auch daran, dass der Buddha sich geweigert hatte, bestimmte Fragen zu beantworten, „weil es nicht zum heiligen Wandel gehört“ und „nicht zum Nirwana führt“ (s. b. „Gleichnis vom Giftpfeil“ im Majjhima-Nik. 63).

      Schopenhauers Philosophie ist in ihrem Kern eine Erlösungslehre. Jedoch im Unterschied zum alten Buddhismus, wo die Übungen eine wesentliche Voraussetzung für die Erlösung sind, bietet Schopenhauer durchaus Hoffnung auch für den, der aus körperlichen, geistigen oder anderen nicht beeinflussbaren Umständen, nicht in der Lage ist, die Übungen durchzuführen.

      Ob es die Erkenntnis von „anatta“, von „Tat Tvam Asi“ oder des „principium individuationis“ ist, immer geht es um das vermeintliche „Ich“. Stets ist dessen Überwindung – sei es durch Übung (alter Buddhismus), Entfaltung der „Buddha“-Natur in uns (Mahayana) oder durch „Gnade“ (Upanishaden und Schopenhauer) – Voraussetzung für die Erlösung vom Leid. Das scheint mir die entscheidende Übereinstimmung zwischen diesen Erlösungslehren zu sein. Sind dann nicht die Unterschiede letztlich zweitrangig?

      Liebe Grüße von mir!

      Weiteres zu Arthur Schopenhauer und Buddhismus
      > http://www.schopenhauer-buddhismus.de
      > http://www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de

      • Roman said,

        August 14, 2009 um 8:54 am

        Hallo Arthur1788!

        Erst mal vielen herzlichen Dank für deine sehr liebenswürdige, ausführliche Anwort, mit der ich voll übereinstimme und welche mir in dieser Sache wieder zu mehr Klarheit verholfen hat.

        Der Vergleich, daß man Schopenhauers Philosophie als Kombination von Hinduismus und Buddhismus bezeichnen könnte war von mir vielleicht etwas zu plump ausgedrückt und ich wollte damit den Gehalt von Schopenhauers Philosophie keinesfalls schmälern.

        Mein eigener Weg führte mich im Gegensatz zu deinem über die Psychologie hin zur Philosophie, wo ich eines Tages völlig ohne Erwartungen Schopenhauers Hauptwert „Welt als Wille und Vorstellung“ vor mir hatte. Ich habe es bereits mehrere Male gelesen und dieses Werk hat seither mein Denken völlig verändert, insofern der eine Gedanke auf den Schopenhauer mit seinem Werk abzielt bei mir sozusagen einen guten Nährboden fand.

        Im Nachhinein las ich dann über Schopenhauer, daß er ebenfalls ein introvertierter und zurückgezogen lebender Mann wie ich war, der die Öffentlichkeit und das weltliche Leben eher mied. Als ich dann eine Zeichnung sah, auf dem er mit einem Pudel abgebildet war, fühlte ich mich sehr gerührt, da auch ich einen solchen Pudel als meinen Begleiter auf meinen Spaziergängen am Inn ständig bei mir habe und welcher mich schon seit vielen Jahren begleitet.

        Schopenhauers Werk hob sich meiner Meinung nach in seiner Gesamtheit, Ausführlichkeit und sprachlichen Elleganz von vielen anderen philosophischen Hauptwerken deutlich ab. Ein Vorzug war es natürlich, daß es nicht erst für mich ins Deutsche übersetzt werden mußte, was ja der Nachteil vieler anderer philosophischer Werke ist.

        Es hinterlies beim mir allerdings einen leicht pessimistischen Eindruck, welchen es mir fortan durch das Lesen der Upanishaden wieder aufzuheben gelang. Zu dieser Zeit entwickelte ich meine tägliche Übung und ich begann zu meditieren.

        Da ich mich jedoch ständig mit dem Philosophieren und mit verschiedenen Philosophen und ihren Werken beschäftige, fand ich es für mich jetzt an der Zeit, mich zu einer Religion zu bekennen mit welcher ich am meisten übereinstimmte, da ich durch die vielen philosophischen Einflüsse (Platon, Spinoza, Schopenhauer, Kant, Descartes) ein Problem damit hatte, eine tägliche Übung für mich aufzubauen.

        Schopenhauers Werk ist für mich tatsächlich eine vollständige Erklärung unserer Welt. Und der Buddhismus hilft mir jetzt, täglich in der rechten Art und Weise zu üben, damit ich diesen einen Gedanken – die Welt als Wille und Vorstellung – nie mehr vernachlässige oder verliere.

        Vielen Dank für deine Hilfe,

        beste Grüße

        Roman.

      • arthur1788 said,

        August 18, 2009 um 10:48 am

        Hallo Roman,

        herzlichen Dank für Deine anerkennenden Worte, die für mich eine Ermutigung sind.
        Alles Gute auf Deinem Übungsweg. Das wünsche ich Dir mit meinen besten Grüßen.

        http://www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de


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