Atheismus bei Arthur Schopenhauer und den Religionen Indiens

Arthur Schopenhauer war Atheist. Das bedeutet aber nicht unbedingt Irreligiosiät, denn es gibt auch Religionen ohne  Gott.  Beispiele hierfür sind die beiden altindischen Religionen Buddhismus und der ihm verwandte Jainismus.  Diese Religionen kennen zwar Götter, aber nicht „Gott“ im Sinne der großen westlichen monotheistischen Religionen (Christentum, Islam, Judentum).

Schopenhauer bekannte sich zum Buddhismus. Zugleich stand ihm eine sehr bedeutsame Richtung des Hinduismus, der Vedanta, nahe. Vedanta  heißt wörtlich das Ende der Veden. Die wichtigsten heiligen Schriften hierzu sind die Upanishaden. Sie waren für Schopenhauer das  Trostbuch und gleichsam seine „Bibel“.  Die von Schopenhauer so hoch geschätzten Upanishaden sind eine Sammlung  philosophisch-religiöser Texte aus einem Zeitraum von mehr als 2500 Jahren.  Sie enthalten, je nach ihrer Entstehungszeit, atheistische und theistische, poly- und monotheistische Auffassungen.

Wo in den Upanishaden Brahman als das ewige, unvergängliche, unpersönliche Absolute, die höchste,  nicht-duale Wirklichkeit verstanden wird, fand Schopenhauer seine Lehre bestätigt. Dieser Teil der Upanishaden ist in seinem Kern wie die Philosophie Schopenhauers atheistisch.  Wie der Buddhismus und Jainismus haben diese atheistischen Lehren nicht das – im Grunde unlösbare – Problem der monotheistischen Religionen, die Existenz eines allmächtigen und allgütigen Gottes mit der unbestreitbaren Tatsache des furchtbaren Leides in unserer Welt in Einklang zu bringen.

Bei den im Westen vorherrschenden monotheistischen Religionen steht die Auffassung im Mittelpunkt, dass es nur einen Gott gäbe, wobei zwischen ihm und den Menschen ein persönliches Verhältnis bestünde. Unter der Herrschaft dieser Religionen wird der Atheismus entschieden abgelehnt und dementsprechend nicht oder nur notgedrungen toleriert. Wie Schopenhauer darauf hinwies, wurde der Atheismus mit dem Materialismus gleichgesetzt, ja mitunter sogar behauptet, es würde ihm alle Moralität fehlen. Das ist mehr oder weniger zweckgerichtete Verleumdung, denn die Philosophie Schopenhauers  beweist – ebenso wie der Buddhismus und Jainismus – das Gegenteil. So ist die Ethik in diesen atheistischen Lehren weit umfassender als in den großen monotheistischen Religionen, weil sie nicht anthropozentrisch ist und auch das nichtmenschliche Leben, insbesondere der Tiere, mit einbezieht. 

Gerade weil Schopenhauers Philosophie, der Buddhismus und der Jainismus atheistische Lehren sind, behaupten sie nicht, dass Gott dem Menschen als „Krone der Schöpfung“ besondere Rechte eingeräumt hätte. Ihr Atheismus lehrt und begründet, dass der Mensch Teil der Natur ist und als solcher alle Lebensformen achten und schützen sollte.  Auch daran zeigt sich, dass die Philosophie Schopenhauers und die genannten indischen atheistischen Religionen durchaus von Wert für ein ethisch fundiertes Miteinander in unserer zerstrittenen Welt sind.
hb

Übersicht (alphabet. in Stichwörtern) zu den Themen der Arthur Schopenhauer – Blogs ist > hier

Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie sowie zum Buddhismus
> arthur – schopenhauer – studienkreis
> Schopenhauer und Buddhismus

Philosophy Blogs - Blog Catalog Blog Directory

Bloggeramt.de

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Advertisements

4 Kommentare

  1. weissnicht said,

    Juli 29, 2009 um 12:12 pm

    „Atheismus“ ist die Verneinung des Theismus, also des Glaubens an Gott. Da wir nicht wissen, wer oder was „Gott“ ist, wie können wir ihn dann verneinen?

    • arthur1788 said,

      Juli 29, 2009 um 1:30 pm

      Es geht hier, worauf oben hingewiesen wurde, nur um „Gott“ im Sinne der großen monotheistischen Religionen, also vor allem des Christentums. In der Bibel, besonders im Alten Testament, wird dieser Gott beschrieben. Darauf bezieht sich die Verneinung und nicht auf ein Gottesverständnis etwa im Sinne der Mystiker.

  2. Haldor said,

    April 19, 2011 um 11:28 am

    Schopenhauer soll am Ende seines Lebens von seiner atheistischen Konzeption abgerückt sein. Ein kürzlich zufällig aufgetauchter, unveröffentlichter (in lateinischer Sprache abgefasster) Text des Philosophen soll es beweisen: „Ich neige jetzt dazu, zu denken oder besser: mir einzubilden, dass die Grundlosigkeit und Dunkelheit des Lebens nicht daraus zu erklären ist, dass das innere Wesen an sich erkenntnisloser Wille allein ist, sondern dass es nur in Beziehung auf uns und unsere Erkenntnisweise so erscheint, dass die Dunkelheit also keine absolute und ursprüngliche, sondern eine nur relative ist; denn es ist doch mehr als wahrscheinlich, dass unser Gesichtskreis durch das Hindernis unserer Endlichkeit beschränkt ist und dass so die Kraft unseres Geistes an die Größe des Objekts nicht heranzukommen vermag…… Wenn die Dunkelheit des Willens nur sekundären Ursprungs, nur Relatives und Akzidentelles und Äußeres ist, so kann sie nur als von irgendeinem ursprünglichen Licht abgeschnitten gedacht werden. Allein die beschränkte Kraft des menschlichen Auges lässt dieses Licht als das Nichts erscheinen. In Wahrheit ist dieses Licht aber die Gottheit selbst. Erkenntnis, gnosis, die allein zum Erblicken des Lichtes verhilft, und nicht Wille ist dann das Urtümliche, und die Erkenntnis muss vor dem Willen metaphysischen Vorrang haben. Es ist mir klar: Hier verstoße ich gegen meine ganze bisherige Weltsicht, gegen mein ganzes in jahrelanger Mühe erarbeitetes System, gegen meine unentwegt verkündete Lehre. Es kann aber nicht anders sein……Der Sog der Verzweiflung erfasst mich. Wozu habe ich philosophiert? Wozu überhaupt gekämpft und gelebt, wenn das, wofür ich lebte und kämpfte, sich nun als Verblendung und Irrtum enthüllt…..Möge Gott mir verzeihen.“
    Wer weiß, ob diese (lateinisch abgefasste) Schrift authentisch ist? [Es könnte sein, Schopenhauer ist durch den gegen Ende seines Lebens über ihn hereingebrochenen Ruhm überrascht und irritiert worden. Dieser widersprach seinem vehement verfochtenen Pessimismus, denn es musste ihm ja so vorkommen, als ob ein göttlicher Schicksalsgeber ihn mit einem Schlag für alle durchlebte Bitternis, für alles berufliche Ungemach und alles private Elend entschädigt hat. So gestand er sich insgeheim ein, dass seine Verabsolutierung des „Dinges an sich“ („Der Wille ist das Urtümliche.“, s.o.) nicht zutreffend ist. Unklar ist, ob er mündlich die Anweisung gegeben hatte, dieses Blatt zu verbrennen. Tatsache ist, die Nachwelt hat diese umwerfende Nachricht vernommen (?)]

    • arthur1788 said,

      Mai 14, 2011 um 5:34 pm

      Entschuldigung, leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, den Kommentar freizuschalten.

      Bitte um genaue Angabe der Quelle des „zufällig aufgetauchten“ Textes. Sollte der Text tatsächlich von Schopenhauer stammen, wäre das sensationell. Solange der Beweis fehlt, habe ich sehr erhebliche Zweifel. So sprechen z. B. der bisher veröffentlichte handschriftliche Nachlass sowie die Briefe Schopenhauers gegen die Authentizität des Textes.


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: